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5. 11. 2006

Morgen geht Pauli 2 in den Druck. Nach vielem Hin und Her heißt das Buch jetzt: "Pauli, Becki und das Geld". Die Illustrationen sind mal wieder Obersahne, von Michael Fuchs, wie beim ersten Band.

Ich weiß jetzt nicht, wie viele Bücher ich schon geschrieben habe. Irgendwann hört man tatsächlich mit dem Zählen auf, und die ganze Sache ist längst nicht mehr so aufregend wie beim ersten Mal. Beim ersten Buch denkt man noch: "Darauf hat die Welt nur gewartet. Jetzt werde ich reich und berühmt. Alle werden mich total bewundern. Presse, Funk und Fernsehen werden ganz groß darüber berichten". Und was es noch alles für Flausen gibt, die man im Kopf haben kann. Und dann liegt das Buch irgendwann fertig vor einem, man ist total glücklich. Man verschenkt Belegexemplare an die Familie, an Freunde und Bekannte. Klar wird man gelobt. Eventuell kriegt man sogar Rezensionen. Aber irgendwann stellt man fest, daß die Erwartungshaltungen, die man vorher hatte, doch etwas überzogen waren.

Mein erstes Buch erschien bei Droemer Knaur. Das ist natürlich ein gigantischer Verlag. Ich weiß noch - ich war total entsetzt, als ich das Cover zum ersten Mal sah. Es war dermaßen häßlich - pfui! Es hatte sogar einen recht ordentlichen Vorschuß gegeben, das war natürlich sehr schön, denn wenn man Geld bekommt, signalisiert einem das: Deine Arbeit ist etwas wert. Bei Droemer habe ich insgesamt vier Bücher gemacht, und dann war erstmal Schluß. Da kam eine Zäsur in meinem Leben, vielleicht erzähle ich später noch davon.

Seit ich ungefähr 16 bin, haben mir alle möglichen Leute immer wieder gesagt, ich sollte doch Kinderbücher schreiben. Zuerst wollte ich natürlich Lyrik schreiben, ganz klar. So fängt es wohl bei fast allen an. Mit den Absagen, die ich mir dafür geholt habe, hätte man ein ganzes Zimmer tapezieren können. Also habe ich es mit einem Roman versucht. Er hieß "Das Maul der Erde", und ich wüßte jetzt ehrlich gesagt nicht, wie ich den Inhalt zusammenfassen sollte. So waren die Romane damals in den 80ern - sie hatten zumeist eigentlich keinen richtigen Inhalt. Trotzdem bekam ich die begeisterte Zusage der Lektorin eines sehr angesehenen Verlages. Da war ich natürlich stolz und glücklich. Sie wollte mich sogar nach Klagenfurt schicken zum Vorlese-Wettbewerb. Aber dann wechselte sie zu einem anderen Verlag. Mein Roman landete auf dem Schreibtisch ihres Nachfolgers. Und der fand ihn total Scheiße. Er hat mich sehr lange zappeln lassen, ehe er mir das verklickerte. Endlose Zeit des Wartens. Und dann die Hiobsbotschaft. Da habe ich dann eine Flasche Cognac leer gemacht.

Das war´s dann erstmal. Da habe ich dann nur noch geschrieben, was ich unbedingt mußte: Hausarbeiten für die Uni. Elend lange Ergüsse, nichts unter 30 Seiten. Damals natürlich noch auf der Schreibmaschine. Eine Adler Gabriele 9009. Mann, was habe ich dieses Teil geliebt! Die machte einen Krach, das kann man sich gar nicht vorstellen... Aber wenn einen der Bazillus, Schriftsteller werden zu wollen, einmal infiziert hat, dann erzeugt das eine chronische Krankheit, die in den allermeisten Fällen absolut unheilbar ist.

Also tastete ich mich wieder an die Sache heran und hatte hier und da Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Einmal sogar in der Frauenzeitschrift "Brigitte". Die zahlten damals für ein lumpiges Gedicht von vielleicht acht Zeilen volle hundert Mark! Das muß man sich mal vorstellen. Das war damals für mich ein Vermögen.

Also kurzgefaßt - jetzt haben mein Mann und ich einen eigenen Verlag, der ist im zweiten Jahr und entwickelt sich recht ordentlich. Nun sehe ich die Dinge auch mal von der anderen Seite des Schreibtisches, denn ich mache das Lektorat. Früher hatte ich immer eine Stinkwut auf die Lektoren und hielt sie für ein faules Pack, die sich nicht mal die Zeit nehmen, ein Manuskript richtig anzusehen. Heute weiß ich, wieviel Arbeit das ist. Und wie total das nerven kann. Darüber vielleicht auch später mehr.

5.11.06 15:57


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6. 11. 2006

Wenn ein Verlag ein Buch herstellt, verursacht das natürlich Kosten. Da fallen die unterschiedlichsten Kosten an, von denen sich die meisten Menschen gar keine Vorstellung machen. Schon allein die ISBN-Nummer kostet teuer Geld, und zwar jedes Jahr, solange das Buch auf dem Markt ist. Insofern ist natürlich jedes angenommene Manuskript für einen Verlag ein ziemliches Risiko, und weil ein Verlag ja nicht nur ein einziges Buch macht, geht es auf lange Sicht um ziemliche Summen.

So hat also jedes Buch eine sogenannte "Deckungsauflage". Das bedeutet: So und so viele Exemplare müssen verkauft werden, damit die ganze Sache für den Verlag zumindest mal kein Minus mehr ist. Ab dem Zeitpunkt kann man aufatmen, denn ab jetzt steuert man in die Pluszone.

Je eher das passiert, desto besser. Logisch. Dann hat der Verlag wieder Mittel für neue Projekte.

Ein Buch zu produzieren, ist ein absolut unkalkulierbares Risiko. (Ich spreche hier jetzt nicht als Autorin, sondern aus der Sicht des Verlages.) Es gibt Bücher, da meint man ganz sicher, sie müßten gehen. Und dann werden sie ein gewaltiger Flop. Es gibt andere Bücher, von denen verspricht man sich nicht so viel. Und die gehen dann ab wie eine Rakete. Da ist dann die Deckungsauflage schon nach wenigen Wochen erreicht. Aber dieser Fall ist leider eher selten.

Autoren machen sich oft nicht klar, unter was für einem wirtschaftlichen Druck die Verlage stehen. Es ist nicht immer nur die nackte Geldgier und die Sucht nach Profitmaximierung, die die Entscheidungen der Verlage über ein Manuskript bestimmen. Bei vielen geht es um das nackte Überleben.

Im christlichen Buchbereich beispielsweise ist es innerhalb des letzten Jahres zu einem Umsatzrückgang von 45 Prozent gekommen. Keiner weiß, wieso. Aber das macht den christlichen Verlagen natürlich gewaltig zu schaffen.

Bei uns erscheinen die christlichen Bücher in der "Edition Tempelbibliothek". Wir haben unter anderem Spurgeon, Luther, Blumhardt und Gebete im Programm. Sehr schön gestaltet hat sich die Zusammenarbeit mit Michael Othmer von Mailgebet.de. Er ist Mitinitiator von Mailgebet.de, einem kostenlosen Maildienst, der jeden Tag ein kurzes Gebet versendet. Die besten Gebete von Mailgebet.de hat er bei uns als Buch herausgebracht. Das ist wirklich ein schönes Bändchen geworden, über das wir uns sehr freuen.

Auf Blumhardts "Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus" war ich durch Zündels Blumhardt-Biographie aufmerksam geworden. Aber der Text war einfach nicht zu bekommen. Nach Jahren habe ich den Text dann endlich ergattert. Wir haben ihn neu herausgegeben unter dem Titel "Sieg über die Hölle". Der Text ist pures Dynamit. Man wundert sich nicht, daß er so lange in den "Giftschränken" versteckt war.

Übrigens planen wir jetzt unser erstes Hardcover. Irgendwie denkt ja jeder - sowohl Autoren als auch Verleger -: Ein "richtiges" Buch ist nur ein Hardcover. Wir machen also eine liebevoll gestaltete, bibliophile Ausgabe von Heines "Schnabelewopski" nach der alten Cassirer-Ausgabe mit den alten Illustrationen. Mal sehen, wie das läuft.

6.11.06 10:48


Es ist wirklich eigenartig, daß es vergleichsweise wenig christliche Humoristen gibt. Natürlich fällt einem sofort Adrian Plass ein. Und wer Klaus Fischer mit seiner Low Price Lighter-Trilogie nicht kennt, der hat echt was versäumt. Aber sonst? Und im Kinderbuchbereich? Da beschränken sich christliche Titel fast ausschließlich auf die Nacherzählung der altbekannten biblischen Geschichten. Muß ja auch sein, schon klar. Aber der Mensch will ja auch was zum Lachen haben. Der kleine Mensch erst recht.

So sind dann die Pauli-Geschichten entstanden. Pauli ist ein sechsjähriger Superchrist. Er vertraut felsenfest darauf, daß Jesus immer unsichtbar bei ihm ist. Und irgendwie kommt er immer wieder in vertrackte Situationen. Das ist schon oft sehr komisch. Aber er traut sich was. Er meint es immer gut. Und manchmal geht die Sache dann nach hinten los.

In Band zwei ist jetzt eine Geschichte, eine sehr kurze mit einem ganz extrem schönen Bild von Michael Fuchs. Pauli begegnet Gott auf der Straße. Sollte so was unmöglich sein? Gott kam auf die Erde, um den Turmbau zu Babel anzusehen. Er besuchte Abraham. Leibhaftig. Möglich ist so was also. Gott erscheint in der Gestalt eines alten Mannes mit langem weißem Haar und Rauschebart, gekleidet wie ein Bayer. Logischerweise sagt Pauli dann also "Grüß Gott". Und Gott wünscht ihm dann einen guten Tag. Einen guten Tag hat Pauli dann wirklich, und als er am Abend seiner Mutter von der Begegnung erzählt, begreift sie sofort, was da passiert ist.

 Außerdem erklärt Pauli, warum Luther die Thesen an die Kirchentür nageln mußte: Weil es noch kein Klebeband gab. Logisch.

6.11.06 11:36


Ida Boy-Ed

Im Zuge der Aktualisierung unserer Verlags-HP fehlte noch die Kurzbiographie von Ida Boy-Ed. Wir haben ja "Die Glücklichen", "Ein königlicher Kaufmann" und ihre Feuilletons neu herausgebracht. "Ein königlicher Kaufmann" ist übrigens wirklich ein absolut spitzenmäßiges Buch.

Ida Boy-Ed stammte aus Bergedorf, das heute ein Stadtteil von Hamburg ist, damals noch eigenständig. Mit kaum 18 Jahren heiratete sie einen reichen Lübecker Kaufmann. Sie war schriftstellerisch ebenso ambitioniert wie talentiert. Zunächst mußte sie sich von ihrem Mann und seiner Familie Spott und Häme über ihre Schriftstellerei gefallen lassen. Dann erteilten sie ihr sogar ein Schreibverbot. Sie floh nach Berlin und wurde durch juristische Tricks zur Rückkehr gezwungen.

So. Und nun kommts: Kurz darauf geht die Firma ihres Mannes pleite. Ida Boy-Ed muß die Familie ernähren - mit der vorher ach-so-verspotteten Schriftstellerei. Der Mann sitzt faul rum und macht sich über seine romaneschreibende Frau lustig, vier Kinder müssen ernährt und gekleidet werden, und so schreibt Ida Boy-Ed bis zu ihrem Tode über 70 Bücher.

Wahnsinn!

6.11.06 16:26


Bücher signieren

Nun liegen die ersten drei fertigen Exemplare von "Becki, Pauli und das Geld" neben mir auf dem Schreibtisch. Ich soll sie signieren. Sie waren vorbestellt mit Widmung. Bücher signiert hab ich früher immer unheimlich gern. Da kam man sich so schön wichtig vor: "Hier, ich, das Genie, gebe Autogramme in ein von mir selbst verfaßtes Buch. Dadurch wird das Buch in hundert Jahren mal unbezahlbar wertvoll werden..."

Mittlerweile signiere ich nicht mehr mit dieser Begeisterung. Denn - wenn man sich verschreiben sollte, dann ist das ganze Buch versaut... Obwohl, ich hab auch ein paar signierte Bücher, und irgendwie ist es schon schön, wenn man den Autor kennt und er hat einem was Nettes vorn ins Buch geschrieben.

Letztes Jahr kam im ersten Pauli-Buch eine Tante Hilde drin vor, die gibt es tatsächlich. Klar wollte sie auch ein Buch. Hat sie gekriegt, war aber nicht signiert. Da war sie echt enttäuscht. Jetzt kommt eine Tante Magda drin vor, die gibt es auch tatsächlich. Und - na gut, dann wird eben signiert und gewidmet. Gebe Gott, daß ich mich nicht aus Versehen verschreibe. Kann schon ein Vorteil sein, wenn man sich dann vorher genau überlegt, was da nachher stehen soll. Und ob oben, mittig, mehr rechts, mit goldenem Edding, mit Kugelschreiber oder Tinte... Ich glaub, ich werd langsam alt, daß ich anfange, mir über Kleinigkeiten Gedanken zu machen...

 

7.11.06 10:40


Worst-Case-Szenario

Na klar. Das worst-case-Szenario ist natürlich eingetreten. Ich bin da schön am Signieren, nachdem ich mir tatsächlich eine halbe Stunde lang das Hirn verrenkt habe, was ich denn nun genau schreiben soll. Hab mich dann auch für einen goldenen Stift entschieden, damit es goldene Worte werden. Und da hört der Stift doch mitten im Wort einfach auf zu schreiben. Hab ich natürlich voll die Krise gekriegt, klar. Und das passierte nicht einmal, sondern zweimal. Sah am Ende aber trotzdem noch ganz gut aus, und nun ist die Büchersendung unterwegs.

Denk ich also, die Sache ist glücklich überstanden, hat sich Aussigniert, kann man wieder zur Tagesordnung übergehen. War aber nicht an dem. Müssen noch zwei Exemplare mit goldenen Worten versehen werden. Plus ein Exemplar "Briefe aus dem Jenseits". Das ist eine echt schräge Satire, die Geschichte eines Kotzbrockens, der nach seinem Tod in die Hölle kommt und absolut null Schuldbewußtsein hat. Zur Strafe für seine Schlechtigkeit muß er ununterbrochen Briefe schreiben, weil er das zu Lebzeiten total gehaßt hat. Da setzt sich dann ein Charakterbild zusammen - na, zum Glück gibt´s solche Leute ja nicht in echt und die ganze Sache ist nur ausgedacht...

 

7.11.06 15:46


Falsche Knöpfe und falsche Fragen

Ich schreib noch immer am liebsten mit der Hand. Einfach aus gesundem Mißtrauen dem Computer gegenüber. Da ist so eine Urangst: "Du drückst nur einmal einen falschen Kopf, und alles ist weg." Das ist tatsächlich neulich passiert. Die Arbeit von zwei Wochen - futschikato perdutti. Der absolute GAU. Alles weg. Ich hab ´ne Menge Knöpfe gedrückt. Hat aber nichts genützt. Dann meinen Sohn gerufen. Der hat auch eine Menge Knöpfe gedrückt. Hat auch nichts genützt. Dann meinen Mann geholt - klack-klack - alles wieder da. Gott sei Dank. Aber so ein Schreck fährt einem gewaltig in die Knochen.

Das kann natürlich beim Schreiben mit der Hand nicht passieren, solange man nicht mit Tinte schreibt und den Kaffeebecher drüber ausgießt. Auch alles schon passiert. Oder dem Hund ist langweilig und er braucht mal wieder was zum Zerknabbern. Kann vorkommen. Ich schreib in China-Kladden oder in Din-A-5-College-Blocks. Das hat den Vorteil: Da ist eine Seite schnell voll und man kann sich freuen, wie fleißig man doch wieder gewesen ist.

Ich weiß noch: Mein Sohn war in der ersten Klasse, da kam sein Freund zu Besuch, sieht mich da sitzen und schreiben und fragt: "Was machst du denn da?" Ich: "Ich schreibe ein Buch!" Er: "Wozu das denn?" Das sind so Momente, wo einem keine intelligente Antwort einfällt. Irgendwie setzt man mit der Zeit als selbstverständlich voraus, daß jeder instinktiv begreift: Es kann nichts Nützlicheres und Edleres geben, als Bücher zu schreiben. Und da fragt der Bursche: "Wozu"?

Naja, vielleicht sollte man sich, wenn man schreibt, diese Frage auch mal gelegentlich stellen. Aber sie hat etwas so Resignatives. Immer, wenn man nach dem Sinn und Zweck einer Tätigkeit fragt, ist im Grunde etwas faul. Denn solange alles gut läuft, stellt man keine blöden Fragen. Man macht es einfach. Erst wenn etwas nicht so richtig funktioniert, fängt man zu grübeln an.

Dann gibt es ja auch Leserbriefe. Die kamen früher per Post, heute per Mail. Manche haben was zu nörgeln; ich bin auch schon ganz massiv angepöbelt worden, weil ich früher Bücher über Esoterik geschrieben habe und jetzt absolut dagegen bin. Wenn´s zu heftig kommt, geht so was gleich in den virtuellen Papierkorb. Solange es sich im Rahmen hält, wird freundlich geantwortet. Und auf freundliche Post schon erst recht. Es labet und erquicket, wenn einem wildfemde Menschen voller Begeisterung ausführlich erklären, was für ein prachtvoller Mensch man ist und wie absolut wertvoll die Gedanken sind, die man zu Papier gebracht hat. Na also. Dann erledigt sich die Frage nach dem "Wozu"! 

7.11.06 17:13


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